Urlaub in Argentinien
Argentinien - das klingt nach Tango, Gauchos, Pampa und Anden. Ein großes Land: Fast achtmal hätte Deutschland in der Fläche Argentiniens Platz. Aber es leben nur rund 40 Millionen Menschen dort - über zwölf Millionen allein in Buenos Aires. Und nicht wenige von ihnen tanzen natürlich in der Stadt des Tangos - sogar in den Straßen.
Das Stadtzentrum liegt rund um die Plaza de Mayo mit den bunten Einkaufsstraßen Florida und Lavalle. Aber auch in den umliegenden “Barrios” ist viel los: San Telmo lockt mit Kunsthandwerk, Antiquitäten und Tango-Bars. Recoleta ist einer der reichsten Stadtteile, mit guten Restaurants und viel Kultur. Und Palermo Viejo hat sich zu einem trendigen Szeneviertel mit buntem Nachtleben gemausert.
In Buenos Aires kann man problemlos einige Tage verbringen, tagsüber durch die Straßen streifen und abends eine Tangoshow besuchen. Aber es lockt das weite Land: Patagonien, schon der Name versprüht einen Hauch von Abenteuer. Nach dem quirligen Buenos Aires eine ganz andere Welt. Hier leben durchschnittlich nur zwei Menschen auf einem Quadratkilometer. Das Land der Gauchos hat aber doch ganz unterschiedliche Gesichter.
Rund um Puerto Madryn am Atlantik liegt die braune Landschaft verlassen, karg und eben wie ein Brett unter dem blauen Himmel. Aber im Meer und an der Küste wimmelt es von Leben. Puerto Madryn ist das Tor zur Peninsula Valdés, Tierparadies und UNESCO Weltnaturerbe. Glattwale haben in den Gewässern der Halbinsel ihre Kinderstube, an den Stränden tummeln sich Pinguine, Seelöwen und Seeelefanten in großen Kolonien, an Land Nandus und Guanakos. Manchmal lassen sich auch die wohl berühmtesten Orcas der Welt blicken: Sie haben eine einmalige Jagdtechnik entwickelt, erbeuten junge Seelöwen direkt vom Strand.
Auf der anderen Seite, an der Grenze zu Chile, zeigt sich Patagonien von seiner lieblicheren Seite. Die Region rund um Bariloche am Lago Nahuel Huapi gehört zu den beliebtesten Urlaubsregionen Argentiniens. Die üppig grüne Berg- und Seenlandschaft der Lagos Norpatagónicos wird auch die Schweiz Südamerikas genannt. Und das Klischee wird gepflegt: mit Hotels im Chalet-Stil namens Edelweiß oder Bernhardinern für Erinnerungsfotos. Dazu passt auch, dass es in Bariloche ausgezeichnete Schokolade gibt. Die Verkaufsräume der Hersteller sind groß wie Supermärkte, und kaum jemand verlässt die Stadt ohne eine Tüte.
Rund 1000 Kilometer weiter südlich, bei Calafate, sind die Anden schroffer, ist die Landschaft trockener, und mit etwas Glück sieht man den König der Lüfte, den Kondor, am Himmel kreisen. Im Parque Nacional los Glaciares schieben sich riesige Gletscher von den Anden hinunter in die Ebene. Beeindruckendes Highlight ist der Perito Moreno, der sich in den Lago Argentino, den größten See Argentiniens, stürzt. Eine erste Annäherung per Schiff, immer mit Sicherheitsabstand zur Bruchkante des 60 Meter hohen und fünf Kilometer breiten Gletschers - wie eine Kathedrale aus Eis ragt er blau schimmernd in den Himmel empor. Was der Schiffsmotor noch übertönt hat, ist an Land deutlich zu hören: Der Gletscher stöhnt und ächzt auf seinem Weg in den See. Mit lautem Getöse werden immer wieder Eisbrocken abgesprengt. Überall stehen Warnschilder. Es wurden schon Unvorsichtige vom Eis erschlagen.
Wenn ganz unten im Süden alle Straßen enden, dann ist man in Feuerland, der Tierra del Fuego. Über 3000 Kilometer liegen zwischen Buenos Aires und Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt am Beaglekanal. El Fin del Mundo nennen die Argentinier diese Region. 45 000 Menschen leben in Ushuaia, wo es alle Jahreszeiten an einem Tag gibt, wie sie sagen. Was heißt: Das Wetter ist ziemlich launisch. Am Ende der Welt gibt es auch einen Nationalpark, den Parque Nacional Tierra del Fuego. Die stille Landschaft mit den schneebeckten Berggipfeln wirkt so majestätisch, als sei sie sich ihrer besonderen Lage auf dem Globus bewusst. Eine Schiffstour auf dem Beaglekanal führt begleitet von Albatrossen und einem kalten Wind an kleinen Felsinseln vorbei, die fast alle mit Seelöwen besetzt sind. Die bepelzten Faulenzer, denen Wind und Kälte nichts anhaben, machen neidisch. Aber auch am Ende der Welt gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.
Rund 4350 Kilometer weiter nördlich muss man sich dagegen über Kälte keine Gedanken machen: Das Klima in der Provinz Misiones ist schweißtreibend. Auch wenn die meisten Highlights in Patagonien zu finden sind - hier an der Grenze zu Paraguay und Brasilien befindet sich umgeben von tropischem Regenwald ein gewaltiges Naturspektakel, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen darf: die Cataratas Iguazú, 1984 von der UNESCO zum Naturerbe der Menschheit erklärt. Über drei Kilometer Breite stürzen die Wassermassen des argentinisch-brasilianischen Grenzflusses Rio Iguazú in 275 gewaltigen Kaskaden in die Tiefe. Iguazú - “Großes Wasser”, so nannten die Ureinwohner, die Guaraní, diese Naturgewalt. Befestigte Wege führen oberhalb und unterhalb der Wasserfälle entlang - häufig eine recht feuchte Angelegenheit. Bei rund 30 Grad Celsius kann das aber zu einer durchaus willkommenen Erfrischung werden. (ddp)