Im sonnenreichen Florida können die Touristen fernab von schillernder Mickey Mouse und atemberaubenden Abenteuern in den Erlebnisparks mal ganz anders Ferien machen. Auch im Land mit scheinbar unendlichen Ressourcen wird die Natur immer stärker geschützt und in ursprünglicher Form genossen.
Statt kleiner Zimmer in riesigen Hotels sind in Orlando-Kissimmee großzügige Ferienhäuser zu mieten. Insbesondere Familien werden die liebevoll und komfortabel eingerichteten Urlaubsdomizile zu schätzen wissen. An ein opulentes Wohnzimmer mit amerikanischer Küche und mehrere Schlafzimmer grenzt ein großer Pool.
Von dort aus können die Feriengäste Touren unterschiedlichster Art rund um Orlando unternehmen. Vor einer Fahrt mit dem Airboat bei Boggy Creek ist ein typisches Frühstück im dortigen urigen Restaurant angesagt. Die Pfannkuchen mit Ahornsirup kleben wie es sich gehört, und für den deftigeren Frühstücker steht ein saftiges Steak auf der Karte.
Danach geht es teilweise mit atemberaubender Geschwindigkeit über Seen und Sümpfe, wo man schon mal einen Blick auf riesige Alligatoren werfen kann. Besser sind die meist schlafend wirkenden Tiere jedoch in “Gatorland” zu sehen - einem der ältesten Themenparks Floridas. Die alten Anlagen haben ihren eigenen Charme. Auch die üblichen Shows, in die mit Vorliebe die Zuschauer einbezogen werden, sind nicht ganz so rasant wie in den modernen Tierparks. Es wird mehr improvisiert, was unter Umständen sehr amüsant ist. Und natürlich können die Besucher auch frisch gebratenes Alligatorenfleisch probieren.
Wer Mutter Natur noch näher rücken möchte, kann dies mit einem Kanu tun. Die Verleiher chauffieren ihre Kunden mit dem Boot auf dem Hänger an Ort und Stelle. Nach einigen Verhaltenshinweisen - beispielsweise, dass Wasserschlangen lieber auszuweichen ist, weil sie sonst ins Boot schlüpfen - geht es los. Natürlich bleiben Judy und ihre Mitarbeiter von Inu Trax immer in der Nähe. Falls jemand auf einer Wurzel im Dickicht hängen bleibt - sind sie sofort zur Stelle. Bis zur letzten Minute ist alles organisiert. Während die Kanus verladen werden, gibt es für die erschöpften Urlauber Sandwiches. Und auf der Fahrt zum Ferienhaus produziert Judys Kollege CDs von dem Tripp, der mit einer wasserfesten Kamera aufgenommen wurde. Damit kann jeder Gast seinen Mut zu Hause beweisen.
Für die Kids wird es im Naturreservat Brooker Creek Preserve in Tarpon Springs nicht nur spannend, sondern auch lehrreich. Es liegt vor Orlandos Haustür, gerade mal 90 Autominuten entfernt, an der Westküste Floridas im Norden der St. Petersburg/Clearwater Region. Dieses über 32 Kilometer große Reservat ist die Heimat einer Vielzahl ansässiger Pflanzen- und Tierarten.
Im Reservat sind neben einem Schulungszentrum auch Hörsäle. Alles wurde durch Spenden finanziert und ist vorrangig aus Naturmaterialien hergerichtet. Die Kinder können fast überall etwas bewegen, hochheben oder drehen und sich so beispielsweise die Verwandlung einer Raupe in einen Schmetterling besser vorstellen. Beliebt ist auch das Klettern im Bauch einer Schildkröte oder das Wandern auf einem zehn Kilometer langen Naturpfad durch ein dschungelähnliches Naturparadies.
Was wäre Florida ohne Strände - aber auch da gibt es die bekannten wie den berühmten Muschelstrand Sanibel Island und die noch eher unberührten wie im Caladesi State Park, wo man nur mit der Fähre hingelangt und niemand übernachten darf. Weit, weiß und leer sind die 4,8 Kilometer langen Naturpfade auf dem Caladesi Island. Dort sind statt teurer Drinks und lauter Musik geruhsames Fischen, Muschelsammeln sowie Naturstudien angesagt. Auf dieser Insel darf per Gesetz nicht gebaut werden, und der Naturschutz steht dort, wie auch auf den weiteren 55 Kilometern Strandlänge der Region St. Petersburg/Clearwater an erster Stelle. Schließlich trägt die Region auch den Beinamen Florida´s Beach mit Stränden, die anerkannte Umweltauszeichnungen erhielten und zu den schönsten aller 650 US-Strände zählen, die jedes Jahr bewertet werden.
Ohne den typischen amerikanischen Hochglanz kommt auch das Marine Aquarium in Clearwater an der Golfküste aus. Das Geld, worüber die gemeinnützige Einrichtung verfügt, fließt in die Pflege der Tiere und nicht in funkelnde Becken oder aufwändig geflieste Besucherräume. Die Delfine werden für Gesundheits-Checks und das Leben im Meer trainiert und nicht mit bunten Bällen vorgeführt. Beispielsweise können die Besucher beobachten, wie ein Delfin lernt, sich vom Tierarzt mit dem Stethoskop abhorchen zu lassen. Zudem bietet die Einrichtung für die Rehabilitation und Aussetzung von Meerestieren einen einstündigen pädagogischen Schildkrötengang entlang der Strände in Begleitung von Biologen an.
Wer also die schillernde Mickey Mouse und den schnellen Absturz im Epcot-Center schon erlebt hat, kann auch einen ganz anderen Urlaub im Orangen-Staat verbringen. (ddp)