Barrierefreier Garten
Der Garten ist der Stolz des jungen Bauherren: Ein schmales Tor gibt den Weg frei in ein verwinkeltes Gelände auf unterschiedlichen Höhenstufen. Ein Kiespfad schlängelt sich von Stufen unterbrochen durch die Rabatte. Doch im Alter könnte der einstige Traumgarten zum unerreichbaren Paradies werden.
Wer seinen Garten bis ins Alter genießen will, sollte schon bei der Planung auf Barrierefreiheit achten. “Die barrierefreie Gestaltung lässt sich ohne Zusatzkosten realisieren und zahlt sich dauerhaft aus”, ist Buchautorin Silke Emmrich überzeugt (”Garten und Therapie. Wege zur Barrierefreiheit”. Ulmer 2005. ISBN: 3800144433. 39,90 Euro).
So seien manche Umbauten später nur noch schwer realisierbar und zudem oft sehr teuer. Darüber hinaus rentiere sich die barrierefreie Anlage auch finanziell in der Zukunft, schätzt Emmrich: “Der Wert einer barrierefreien Immobilie mit barrierefreiem Garten dürfte mit Blick auf die demografische Entwicklung mit Sicherheit steigen.”
Doch worauf kommt es bei der Gestaltung an? Zentral sind geeignete Zugänge. “Sie sollten so angelegt werden, dass sie auch mit einem Rollstuhl passiert werden können”, sagt die Gartenarchitektin. Eine Mindestbreite von 90 Zentimetern sei ratsam. Emmrichs Tipp: Eine zweiflügeliges Gartentor wählen; das biete den zusätzlichen Vorteil, dass bei Bedarf schwere Gartengeräte und -maschinen in den Garten gefahren werden können.
Auch die Terrassentür vom Wohnhaus ist breit genug zu wählen. “Ideal ist, wenn mindestens eine Tür etwas mehr als 110 Zentimeter misst, so dass im Extremfall auch ein Pflegebett ins Freie geschoben werden kann”, rät die Buchautorin.
Wer nicht gleich alle Gartenwege in Rollstuhlbreite anlegen will, ist der Fachfrau zufolge mit anpassbaren Strukturen gut beraten: Die Wege werden so gestaltet, dass sie sich bei Bedarf ohne großen Aufwand verbreitern lassen.
Kieswege lassen sich mit Gehilfe oder Rollstuhl nur schwer nutzen. Vorteilhafter sind laut Emmrich Materialien, die rutschfest, eben und zugleich gut wasserableitend sind. So seien etwa Klinker oder Betonsteine eine gute Wahl. Werden kräftige, kontrastreiche Farben genutzt, ist der Weg gut sichtbar. “Auch das ist ein Plus mit Blick aufs Alter, in dem die Sehkraft meist schwindet”, sagt Emmrich.
Schon zwei bis drei Prozent Quergefälle sind für Gehbehinderte eine Herausforderung. Emmrich rät daher, das Versickern des Regenwassers am Gartenweg durch ein leichtes Längs- oder Dachgefälle und nicht durch ein für Rollstuhlfahrer tückisches Quergefälle zu sichern. Auch versickerungsfähige Betonpflastersteine helfen, das zur Wege- und Sitzplatzentwässerung nötige Mindestgefälle zu reduzieren.
So genannte hydraulische Fugenverschlussmittel bieten sich in diesem Zusammenhang ebenfalls an. Mit Wasser angerührt und in die Fugen eingekehrt, bilden sie einen festen und doch elastischen, wasserdurchlässigen Fugenverschluss.
Bei der Beetgestaltung ist pflegeleichtes Gärtnern Trumpf. So sind Spalierobst, Hochstämmchen, Halbstamm, Kräuterspirale und Hügelbeete in entsprechender Höhe besonders für gehandicapte Gärtner geeignet. Vergleichsweise anspruchslose Bodendecker kombiniert mit ein paar höheren Solitärpflanzen reduzieren ebenfalls den Pflegeaufwand. (ddp)






