Benzinzusaetze
Es ist teures Lehrgeld. Autofahrer, die glauben, mit Wundermittelchen den Spritdurst ihres Autos minimieren zu können, zahlen richtig drauf. Der ADAC hat drei verschiedene Spritsparmittel für Diesel und Benzinfahrzeuge getestet. “Das klare Ergebnis der Untersuchung: In keinem einzigen Fall wurde ein Minderverbrauch festgestellt”, schildert Autoclub-Kraftstoffexpertin Sonja Schmidt das Resümee.
Doch das Negativergebnis muss nicht einmal die schlimmste Folge sein. “Kein Automobilhersteller hat solche Mittel für seine Fahrzeuge freigegeben oder gar empfohlen. Sollte es nachgewiesenermaßen durch die Verwendung eines solchen Geheimrezeptes zu Schäden am Motor kommen, braucht der Fahrzeughersteller dafür nicht zu haften”, weiß Schmidt. Auch deshalb ist von solchen Angeboten dringend abzuraten.
Für Preise zwischen 10 und satten 600 Euro versprechen die angeblichen Spritsparer, den Treibstoffkonsum eines Pkw zu mindern. Sie nennen sich Sparzündkerzen, Petrol Booster oder auch einfach Spritsparer. Im Internet wird beispielsweise für ein Gerät namens “ecoturbo” so geworben: “Nach Durchströmen des Gerätes ist die Molekularstruktur des Kraftstoffs/Brennstoffs verändert. Die CH-Ketten, die immer in verbogener und verkneulter Form vorliegen, sind anschließend entwirrt und damit leichter teilbar, wodurch eine vollständigere, sauberere und mit geringerem Energieaufwand verbundene Verbrennung stattfinden kann.”
Kein Wunder, dass selbst Fachleute solchem Wortgeklingel achselzuckend gegenüber stehen. “Dahinter steckt leider - trotz hoch technischer Erklärungsversuche - gar nichts”, warnt Steffan Kerbl, Techniker beim österreichischen Autoclub ÖAMTC, die Autofahrer.
Bei den vom ADAC getesteten Mitteln handelte es sich zum einen um einen Kraftstoffzusatz in Tablettenform (MPG-CAP), der den Kraftstoffverbrauch um 10 bis 20 Prozent reduzieren soll. Ein weiteres Mittel, ein Motorenöladditiv (Mathy-M), verspricht zehn Prozent weniger Kraftstoffverbrauch und zusätzliche Leistungssteigerung. Bei dem dritten Produkt handelt es sich um einen Magneten, der sich “Kraftstoffaktivator” nennt und an der Kraftstoffleitung montiert wird. Der Hersteller nennt als Einsparung bis zu acht Prozent, abhängig vom Fahrzeug. Die Werbeaussagen der Hersteller wurden am Beispiel mehrerer Mittelklassefahrzeuge (Opel Astra, Zafira, VW Golf) auf einem Prüfstand untersucht.
Die versprochene Wirkung gibt es natürlich nicht gratis. Für die MPG-Tabletten betragen die Kosten 2,60 Euro pro Tankfüllung. Das Additiv zum Motorenöl gibt es zum Preis von rund 130 Euro. Es reicht je nach Mischungsverhältnis für drei bis zehn Ölwechselintervalle. Beim “Kraftstoffaktivator” handelt es sich um eine einmalige Investition von unter 60 Euro. “Um das Ergebnis unserer Prüfstands- und Fahrversuche kurz zusammenzufassen: nullkommanull Liter Kraftstoffersparnis bei allen Mitteln; keine Schadstoffreduzierung”, zieht ADAC-Ingenieurin Schmidt die Testbilanz.
Statt teurer, aber wertloser Sparmittel sollten also sparwillige Autofahrer lieber ihren Fahrstil umstellen. Wenn man sich an das Motto “Gleiten statt eilen” hält, vorausschauend fährt, frühzeitig in den nächsten Gang schaltet und auf rote Ampeln zurollt, wird man rasch die Wirkung dieser Sparmaßnahmen an der Tankrechnung ablesen. “So kann der Spritverbrauch um bis zu zehn Prozent gesenkt werden”, erklärt die ADAC-Expertin. Noch mehr bringt der konsequente Verzicht auf hohe Drehzahlen und das Abstellen des Motors bei Staus und Stopps: “Zusammen kann das bis zu 20 Prozent ausmachen.” (ddp)






