“Ab Weihnachten mach´ ich Kopfstand”, sagt Antje Grimm (Name von der Red. geändert) und lacht. Die Mecklenburgerin ist hochschwanger. Geburtstermin: 29.12.2006. Das von der Bundesregierung beschlossene Elterngeld gibt es aber erst ab dem 1. Januar 2007. Vor allem Besserverdienende profitieren von dem neuen Zuschuss.
Denn Antje Grimm bekäme 1500 Euro Elterngeld, 67 Prozent ihres Nettogehalts. Maximal zahlt der Staat künftig 1800 Euro im Monat, wenn Eltern im Beruf aussetzen oder weniger arbeiten. Das Geld gibt es für ein Jahr, teilen sich beide Partner die Elternzeit, sogar für 14 Monate. Bisher wurden junge Familien bis zu einer Einkommensgrenze von 30 000 Euro mit 300 Euro für 24 Monate oder 450 Euro für 12 Monate (Einkommensgrenze 22 086 Euro) bezuschusst. Familie Grimm läge über dieser Grenze.
Arbeitslose sind allerdings mit der neuen Regelung schlechter gestellt: Sie bekommen den Sockelbetrag von 300 Euro für ein Jahr. “Im Geburtsvorbereitungskurs war sofort klar, wer einen Job hat und wer nicht”, berichtet Antje Grimm. Je nach beruflicher Situation würden die Teilnehmerinnen, die voraussichtlich vor oder nach Silvester entbinden, entweder über wehenhemmende oder -fördernde Maßnahmen diskutieren.
“Vor der Einnahme wehenhemmender Medikamente warne ich dringend”, sagt Gynäkologe Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Diese würden wegen ihrer starken Nebenwirkungen nur im Notfall verabreicht, um eine Frühgeburt zu verhindern. “Die Geburt ist für das Kind der gefährlichste Moment seines Lebens”, erklärt Albring, “diesen gilt es, so optimal wie möglich zu gestalten”. Ist ein Kaiserschnitt geplant, könne der Termin eher vorverlegt als verschoben werden. “Operiert wird vor dem errechneten Geburtstermin, um die Wehen zu umgehen”, erläutert der Mediziner.
In Internetforen hat sich Antje Grimm über wehenfördernde Lebensmittel informiert, die sie jetzt eher meidet. “Ich habe gelesen, dass man keine Lebkuchen, keinen Zimt und kein Gemüse essen soll, das die Darmtätigkeit anregt”, sagt die 31-Jährige. Wissenschaftliche Beweise für eine geburtsbeschleunigende Wirkung gebe es allerdings nicht, unterstreicht Christian Albring.
Der Frauenarzt empfiehlt Frauen, die die Geburt aufschieben wollen, jeglichen Stress zu vermeiden: “Das Weihnachtsfest und Silvester sollten Schwangere ganz ruhig verleben.” Außerdem sollten Betroffene Saunagänge vermeiden, nicht heiß baden und nicht den Bauch massieren. Auch auf Geschlechtsverkehr sollten Paare verzichten, “auch wenn Weihnachten das Fest der Liebe und Freude ist”, betont Albring.
Wer sich über das Elterngeld informieren möchte, findet im Internet zahlreiche Informationen (zum Beispiel elterngeld.net). Die zuständigen Elterngeldstellen werden derzeit eingerichtet. Wo das sein wird, ist noch unklar. In der Regel werden die Elterngeldstellen dort sein, wo Eltern bisher das Erziehungsgeld beantragt haben. Über einen Anruf bei der Gemeinde- oder Stadtverwaltung können Eltern erfahren, wo sie den Antrag im neuen Jahr stellen müssen.
Michael Sittig von der Stiftung Warentest rät, den Antrag möglichst rechtzeitig nach der Geburt des Kindes zu stellen: “Das Geld wird maximal drei Monate rückwirkend gezahlt.” Einzureichen sind Lohnbescheinigungen der letzten 12 Monate für beide Partner. Wer selbstständig ist, muss den Gewinn des letzten Jahres dokumentieren, auf dessen Grundlage das Elterngeld berechnet wird.
Es wird jeweils das Einkommen dessen zugrunde gelegt, der zu Hause bleibt. “Verheiratete Arbeitnehmer können sich ein höheres Elterngeld sichern, wenn der Besserverdienende möglichst schon ein Jahr vor der Geburt in Steuerklasse drei wechselt”, sagt Sittig. Dann nämlich ist das Nettoeinkommen höher, und somit erhöht sich auch das Elterngeld. Wer selbstständig ist und nebenbei auf Lohnsteuerkarte arbeitet oder mehrere Minijobs hat, gibt alle Einkommen und Gewinne an.
Antje Grimm entscheidet je nach Geburtsdatum ihres Kindes, ob sie für sechs Monate oder für ein Jahr im Job aussteigt. Dennoch versucht sie, dem Geburtstermin gelassen entgegenzusehen. “Für meinen Mann und mich ist wichtig, dass unser Kind gesund zur Welt kommt - ob nun als Weihnachtsgeschenk oder als Neujahrsbaby”, sagt die werdende Mutter. “Das Elterngeld sehen wir dann eher als zusätzlichen Lottogewinn.” (ddp)