Die Rentenzeit am Strand verbringen. Unter Palmen alt werden. Viele Menschen träumen von einem Lebensabend im sonnigen Süden. “Der Ruhestand im Ausland will gut überlegt sein”, sagt Peter Schöllhorn, Rechtsanwalt in Freiburg. Denn nicht immer würden sich ältere Auswanderer realistische Vorstellungen von ihrem Leben in der Fremde machen.
Falsche Ansichten gebe es häufig beispielsweise über die Lebenshaltungskosten im Ausland. “In klassischen ´Sehnsuchtsländern´ wie etwa Spanien ist das Leben heute nicht preiswerter als in Deutschland”, sagt Schöllhorn. Aus deutscher Sicht gebe es zwar etliche Staaten, in denen es sich günstig leben lasse. “Sein zukünftiges Gastland sollte man jedoch vorrangig nach seiner eigenen Liebe zu Land und Kultur aussuchen”, sagt der Rechtsanwalt.
Den Ort, an dem man seinen Lebensabend verbringen will, sollte man nicht nur aus dem Urlaub kennen. “Wer etwa vorrangig wegen des Klimas auswandern will, muss den gesamten Jahresverlauf in seine Überlegungen einbeziehen, Sommerhitze oder kühlfeuchte Wintermonate inklusive”, sagt Gabriele Mertens, Generalsekretärin des Raphaels-Werks, das Menschen berät, die ganz oder zeitweise ins Ausland übersiedeln wollen. Auch die Mentalität der Menschen sollte man im Alltag auf sich wirken lassen. “Ein gemächliches Lebenstempo ist vielen im Urlaub angenehm, auf Dauer wollen sie aber beispielsweise nicht tagelang auf einen Handwerker warten”, sagt Mertens.
Der Aufenthalt im Ausland kann Einfluss auf die Höhe der Rente haben. “Grundsätzlich bekommen deutsche Staatsbürger, die nur deutsche Rentenzeiten haben, ihre Rente in jedem Land der Erde in voller Höhe ausbezahlt”, sagt Stefan Braatz, Pressereferent der Deutsche Rentenversicherung Bund. Dies gilt jedoch nicht für Einzahlungen vor 1945 im früheren “Reichsgebiet” oder Zeiten nach dem “Fremdrentengesetz”, das zum Beispiel für Aussiedler gilt. “Auch Frührentner müssen in bestimmten Ländern mit Einschränkungen rechnen”, sagt Braatz.
Der zeitweilige Aufenthalt im Ausland ist in Bezug auf die Rente unproblematisch. “Wichtig ist, dass man über ein deutsches Bankkonto verfügt und hier seinen Hauptwohnsitz hat”, sagt Braatz. Denn wer seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in Deutschland hat, bekommt die Rente ohne Einschränkungen. Nicht alle Rentner wollen aber zwischen zwei Ländern pendeln, andere können sich die damit verbundene doppelte Haushaltsführung nicht leisten. “Jeder, der längere Zeit im Ausland leben oder ganz auswandern will, sollte sich individuell von seinem Rentenversicherungsträger beraten lassen”, empfiehlt Braatz.
Deutschland hat mit den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes und einigen weiteren Staaten Abkommen zur sozialen Absicherung vereinbart. “Als Mitglied der Krankenversicherung der Rentner kann man daher in diesen Ländern Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen”, sagt Marlis Tiessen vom Bund der Auslands-Erwerbstätigen (BDAE). Auf keinen Fall sollte man aus seiner deutschen Krankenversicherung austreten. “Die Rückkehr in die gesetzliche Versicherung ist als Rentner unmöglich und auch die privaten nehmen solche Bewerber meist nicht an”, warnt Tiessen.
Da sich die nationalen Regelungen und Standards in der Gesundheitsversorgung voneinander unterscheiden, empfiehlt es sich, eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung abzuschließen. “Man sollte sich unbedingt vor Ort nach der Gesundheitsversorgung erkundigen und sich etwa drei staatliche Krankenhäuser ansehen”, sagt Mertens. Ohnehin dürfe man die Themen Krankheit, Alter und Tod nicht verdrängen. “Meist wandert ein Ehepaar zusammen aus. Doch was passiert, wenn einer der beiden stirbt?”, fragt die Generalsekretärin.
Mittlerweile gibt es mehr Deutsche, die vereinsamt und verarmt im Ausland leben. “Für offizielle und private Kontakte sollte man unbedingt die Sprache seines Gastlandes lernen”, sagt Mertens. So könne man auch Freundschaften und Hobbys außerhalb seiner Partnerschaft oder einer deutschen “Community” pflegen. Auch sollte man seine finanziellen Mittel realistisch einschätzen und sich ein Polster für einen möglichen Neuanfang in Deutschland zurücklegen.
Schon vor der Auswanderung sollte man sich auch einen Rückkehrplan machen. “Starkes Heimweh oder eine schwere Erkrankung können schnell den Wunsch nach Rückkehr aufkommen lassen”, sagt Mertens. Deshalb sollte man während eines Auslandsaufenthaltes auch die Kontakte zu seiner Familie und Freunden in Deutschland pflegen. “Viele Rentner kommen im hohen Alter aus dem Ausland zurück”, bestätigt auch Schöllhorn. Dies sei einfacher, wenn man noch ein Standbein in Deutschland habe. (ddp)