Der Mobilfunkstandard UMTS kommt langsam in Fahrt: Die Zahl der Geräte steigt, die Preise sinken. Doch auf die ursprüngliche Vision vom überall verfügbaren Internetzugang warten die Verbraucher noch immer. Die Betreiber des neuen Netzes konzentrieren sich bislang auf Ballungsräume, von einer Abdeckung wie bei den herkömmlichen Handynetzen kann derzeit noch längst nicht die Rede sein.
Dabei sind UMTS-fähige Endgeräte inzwischen in großer Vielfalt auf dem Markt. Neben Handys und Organizern á la PocketPC gibt es auch UMTS-Karten für Notebooks. Auch ein UMTS-Handy kann die Verbindung zwischen Netz und Laptop herstellen. Zu guter Letzt werden so genannte Router angeboten, die einen stationären Zugang zu UMTS auch für mehrere Rechner ermöglichen.
Wirft man einen Blick auf die Tarife der Anbieter, erinnern die aktuellen Preismodelle jedoch an den Markt für das Breitband-Internet DSL vor einigen Jahren. In der Regel ist das abgerufene Datenvolumen für den Preis verantwortlich. Für den Kunden bedeutet dies, dass er sich über die Zeit, die er mobil online geht, zwar keine Gedanken machen muss. Jeder Aufruf einer Website, jedes Herunterladen einer Datei oder Empfangen und Verschicken einer E-Mails kostet hingegen bares Geld. Ein großer Mail-Anhang lässt also den Gebührenzähler rotieren, das Lesen der Nachrichten hingegen nur kaum.
Die Preise seien in den letzten Monaten “deutlich nach unten gegangen” hat Markus Weidner, Redakteur beim Online-Magazin teltarif.de, beobachtet. Die bei DSL beliebten Flatrates spielen hier allerdings derzeit nur eine Nebenrolle. Allein E-Plus bietet bereits einen solchen Tarif, bei dem unabhängig von der Nutzung ein fester monatlicher Preis in Höhe von mindestens 39,95 Euro zu Buche schlägt, wenn er als Option zu einem bestehenden Handyvertrag gewählt wird. Ohne Handyvertrag beträgt der Preis 49,95 Euro.
Bei T-Mobile und Vodafone gibt es für rund 50 Euro nur Tarife mit fünf Gigabyte Inklusivvolumen. Hier ist Vorsicht geboten, denn teilweise werden diese Tarife als “Flatrate” bezeichnet, obwohl sie keine sind. Diese Angebote sind somit nur bedingt interessant für Kunden, die mit ihrem Laptop regelmäßig größere Datenmengen aus dem Internet laden oder die mangels DSL-Angebot das mobile Internet als Alternative in Betracht ziehen. Immerhin bieten O2 und Vodafone Geräte für einen stationären UMTS-Anschluss von O2 und Vodafone an. Allerdings sind fünf Gigabyte beispielsweise beim Herunterladen von Online-Videos oder regelmäßiger Nutzung von Internet-Radios schnell aufgebraucht.
Eine Stolperfalle bei den Volumentarifen ist die Berechnung des genutzten Datenverkehrs: Bei vielen Tarifen wird in 100-Kilobyte-Blöcken abgerechnet: Wer also beispielsweise 101 Kilobyte nutzt, zahlt 200 Kilobyte.
Der Einstieg in das mobile Internet beginnt allerdings schon bei Zusatzkosten in Höhe von wenigen Euro. Dabei schlagen die tatsächlich genutzten Megabyte mit höheren Preisen zu Buche als bei den Tarifen mit höherer Grundgebühr. In der mittleren Preisklasse ab 20 Euro finden sich Angebote mit 200 Megabyte Inklusivvolumen. Bei T-Mobile und Vodafone können auch 400 Megabyte für rund 35 Euro gebucht werden.
Ist der Tarifdschungel erst durchschaut, bleibt die löchrige Netzabdeckung von UMTS. Zwar wurden die Anbieter beim Kauf der Lizenzen verpflichtet, bis Ende 2005 die Hälfte der deutschen Bevölkerung mit dem neuen Handynetz abzudecken. Der Ausbau konzentrierte sich bislang aber auf die Ballungsräume. Die weißen Flecke dazwischen werden erst nach und nach getilgt.
Als Folge ist an UMTS-Nutzung während einer Bahnfahrt derzeit noch kaum zu denken. Denn der nahtlose Übergang von UMTS auf die älteren GSM-Netze funktioniert in der Praxis nicht wie versprochen, wie Weidner sagt. Gespräche oder Internetverbindungen werden gekappt und müssen neu aufgebaut werden. Sinnvoller ist es daher, für eine solche Fahrt gleich auf den “Datenturbo” UMTS zu verzichten. Zumal beispielsweise T-Mobile auch im alten Handynetz inzwischen Datenraten anbietet, die zumindest rein rechnerisch an das kleinste UMTS heranreichen. Das neue Netz wird zugleich weiter aufgerüstet, so dass vermehrt eine Bandbreite zur Verfügung steht, die mit einem kleinen DSL-Zugang vergleichbar ist. (ddp)