Dacia Logan
Manchmal möchte man Mäuschen spielen. Etwa bei der ersten Begegnung der Renault-Manager mit dem Dacia Logan. Wie muss den formverliebten Franzosen der Schreck in Glieder gefahren sein. Aber um fair zu bleiben, man muss das neue Kultauto der Vernunft-Generation nicht optisch mögen. Viel attraktiver als sein kaum vorhandenes Design ist das Paket aus Preis und Platz.
Ursprünglich sollte das von der Renault-Tochter Dacia in Rumänien produzierte Auto überhaupt nicht auf Deutschlands Straßen rollen. Der Wagen war eher für so genannte Drittländer gedacht. Einfachheit lautete deshalb die oberste Maxime bei der Entwicklung des Logan. Wohl deshalb wirkt der Wagen ein wenig antiquiert.
Diesen Eindruck macht die Technik hingegen nicht. Hier herrscht moderner Renault-Standard. So ausgestattet reduziert der Wagen Kilometer um Kilometer die Vorbehalte und aus dem Dumping-Dacia wird ein akzeptiertes Auto. Wenn bei diesem Wertewandel beispielsweise statt eines Gasdruckdämpfers eine simple Feder die Kofferraumklappe geöffnet hält, dann steht eben die Funktion im Vordergrund.
Weitaus störender als solche Lösungen sind der fehlende Griff auf der Kofferraumhaube oder die unpraktischen Griffmulden in den vorderen Türen. Insgesamt macht die Verarbeitung aber einen soliden Eindruck und verlangt nicht nach preisbedingten Abstrichen beim eigenen Qualitätsanspruch. Auch beim Materialmix im Innenraum muss sich der Logan nicht hinter der teureren Kleinwagenkonkurrenz verstecken. Die meisten Bedienungselemente wurden richtig platziert.
Nur bei Sekundärfunktionen wie etwa der Lüftung oder den Schaltern der vorderen Fensterheber könnte man die Bedienbarkeit verbessern. Ein höhenverstellbares Lenkrad sucht man vergeblich. Allerdings finden auch ohne diese Hilfe selbst groß gewachsene Fahrer eine akzeptable Arbeitsposition. Die Vordersitze erweisen sich als nicht zu hart oder zu weich. Erfreulich ist das Platzangebot insgesamt. Vorn wie hinten bietet der rumänische Familienwagen viel Knie- und Kopffreiheit und einen Kofferraum, der das Maß der unteren Mittelklasse sprengt.
Der Logan beweist zudem, dass Fahrwerkssicherheit auch ohne Elektronik konstruiert werden kann. Das Fahrwerk ist eher auf hohen Federungskomfort konzipiert und schluckt die meisten Unebenheiten. Mit deutlicher Seitenneigung und starkem Untersteuern, begleitet von frühzeitigem Reifenquietschen, reagiert die Limousine auf forciertes Tempo und dämpft so zuverlässig vermeintlich sportliche Ambitionen. Der Pferdefuß am Fahrverhalten ist eher die ungenaue Lenkung. Sie vermittelt wenig Straßenkontakt und Zielgenauigkeit.
Mit dem Logan stellt Dacia einen der günstigsten Diesel in die Schaufenster. Das Common-Rail-Aggregat stammt dabei ebenfalls aus Renault-Regalen. Zu seiner Leistungscharakteristik passt recht gut das Fünfganggetriebe. Die einzelnen Fahrstufen sind präzise geführt, die Schaltwege allerdings lang.
Dacia/Renault richtet sich mit dem Logan an Menschen, denen Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität wichtig sind. Zu solch rational orientierter Mobilität passen Preis, Unterhaltskosten sowie die dreijährige Garantie. Wer mag, kann sich über fehlende Seiten- oder Kopfairbags ereifern oder den fehlenden Partikelfilter. Der ADAC notierte nach einem Test des einst geschmähten Logan hinter dem Stichwort Konkurrenten: “Keine”. (ddp)






