Fertighauskauf nicht ueberstuerzen
Der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) wirbt mit Blick auf die Mehrwertsteuererhöhung kräftig für die Leistungen seiner Mitglieder. Die Termintreue der Fertighäuser zahle sich aus. Wer sich jetzt an seinen Fertigbaupartner wende, habe gute Chancen, vor Jahresende 2006 einzuziehen und Steuern zu sparen.
Auf vier bis sechs Monate Bauzeit bringen es die Fertigbauer Verbandssprecher Achim Hannott zufolge im Schnitt. Sein Tipp: Damit es wirklich noch vor dem Jahresende klappt, sollte man sich den Einzugstermin garantieren lassen.
Christian Michaelis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt davor, sich zu einer übereilten Kaufentscheidung drängen zu lassen. “Eine so folgenschwere Entscheidung will sorgfältig überlegt sein”, mahnt der Bau-Experte. Zudem sei nicht sicher, ob tatsächlich alle Anbieter die Mehrwertsteuererhöhung 2007 voll an ihre Kunden weitergeben werden.
Rund 10 000 Fertighäuser wurden im vergangenen Jahr in Deutschland errichtet, schätzt BDF-Sprecher Hannott. Doch wie findet man einen guten Anbieter? Die Qualitätsgemeinschaft deutscher Fertigbau wirbt mit einem Gütesiegel, das für eine regelmäßige Qualitätskontrolle durch Sachverständige steht. Auch ein Blick auf Referenzobjekte kann hilfreich sein.
Fertighäuser sind vorkonfektioniert. “Je häufiger sie gebaut werden, umso besser durchdacht und technologisch hochwertiger können sie sein”, sagt Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands Privater Bauherren. Ungekehrt gelte aber auch: Je individueller die gewünschte Gestaltung, umso größer sei das Fehlerquellenpotenzial. Wird ein kleinerer Partner gewählt, empfiehlt Penningh einen besonders genauen Blick auf die wirtschaftliche Situation und den Leistungskatalog des Unternehmens.
Ein weiterer Rat des Fachmanns: Bei der Wahl des Fertigbauers und seiner Montagekolonnen auf räumliche Nähe achten. Ebenfalls wichtig: Der Fertigbauer muss bei der Planung der jeweiligen Landesbauordnung Rechnung tragen. Schon bei der Auswahl des Hauses, ist der Bebauungsplan für das Grundstück zu berücksichtigen. Nur wenn die Bebaubarkeit des Grundstücks den Haustyp des Wunschherstellers zulässt, darf es auch errichtet werden.
Dass Fertighäuser in der Regel billiger als konventionell errichtete Häuser sind, und dass keine größeren Aufgaben auf den Bauherren zukommen, ist Penningh zufolge ein Trugschluss. Sobald das Grundstück nicht eben ist, seien Sonderkonstruktionen nötig. “Ein Fertighaus, dessen Anordnung auf dem Grundstück noch nicht im Detail geplant ist, ist ein Unfertighaus”, urteilt auch Verbraucherberater Michaelis.
Das Gros werde verkauft “ab Oberkante Kellerdecke”. An den Schnittstellen zum Grundstück (Erschließung, Kellerbau…) könne es leicht zu Problemen und zusätzlichen Kosten kommen. Sein Rat: Bebaubarkeit und Baugrundeigenschaften des Grundstücks vor dem Abschluss des Vertrages klären (im Zweifel durch einen Sachverständigen) und eventuelle Korrekturen mit der Kellerbaufirma und dem Fertighaushersteller vereinbaren.
Vorteilhaft sei zudem, wenn der Kellerbauer und die übrigen Gewerke über Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Fertighausfirmen verfügten.
Auch mit Blick auf die Zukunft kann das Fertighaus unerwartete Folgekosten nach sich ziehen, gibt Penningh zu bedenken: “Spätere Umbauten können die hohe technologische Qualität des Produkts beeinträchtigen, indem etwa die wind- luft- und dampfdiffusionsdichte Hülle beschädigt wird.” Interessenten sollten sich daher vorab informieren, welche späteren Eingriffe problemlos möglich sind.
Wer selber Hand anlegen will, sollte sich die Wahl der Eigenleistungen gut überlegen. “Die Gefahr etwas beispielsweise bei Sanitär- oder Elektroarbeiten zu zerstören und damit Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller zu verwirken ist größer als bei einem Massivbau”, warnt der Fachmann. (ddp)






